Stiftshaus Gladbeck      

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Von der Villa Bräscher zum Stiftshaus Gladbeck

Die Ulmenstraße

1898

Nur wenige Straßen in Gladbeck trugen bereits Mitte des 19. Jahrhunderts Namen, die häufig auch noch auf ihre Verbindungsfunktion zu den benachbarten Ortschaften hinwiesen. Am 15. August 1898 machten die Gemeindevertreter des Amtes Gladbeck erstmals Vorschläge zur Benennung von 31 Straßen im alten Dorfkern, die dann in der Sitzung am 23. August 1898 beschlossen wurde.

In den Folgejahren bis 1908 wurden in Gladbeck weitere 110 Straßen mit Namen benannt. Die Ulmenstraße trägt ihren Namen spätestens im Jahr 1904.

1904


Ausschnitt aus einer Übersichtskarte von Gladbeck (zu datieren frühestens in das Jahr 1904)

Seit dem 16. Februar existiert für die noch unbebaute Ulmenstraße ein förmlich festgesetzter Fluchtlinienplan, sie ist jedoch noch nicht „für den öffentlichen Verkehr und den Anbau fertig hergestellt“.

Am 16. Dezember stellen Wilhelm Mann und Hermann Mann Bauanträge zur Errichtung von drei Wohnhäusern auf ihren Grundstücken an der Ulmenstraße. Das Amt Gladbeck weist diese Anträge am 24. Dezember mit Bezug auf die noch nicht fertiggstellte Straße zurück.

1907

Am 8. März lehnt der Rat der Gemeinde Gladbeck einen Antrag von Bernhard Zurhausen, Wirt des Butendorfer Hofes an der Ecke zur Horster Straße, auf Ausbau der Ulmenstraße vorläufig ab. Zunächst seien die katastermäßige Vermessung vorzunehmen und der Grunderwerb zu regeln.

1912

Die Ulmenstraße ist noch unbebaut.

1924

Noch immer ist die Ulmenstraße nicht bebaut.

1935

Die Ulmenstraße ist immer noch nicht für den öffentlichen Verkehr fertiggestellt. Zwar ist der Fahrdamm bereits in einer Breite von 7,50 Metern angelegt, allerdings lediglich mit Chaussierung befestigt, und an beiden Straßenseiten sind mit Bordsteinen eingefaßte Bürgersteige vorhanden, doch auch deren Flächen sind nur mit einer Aschenschicht gedeckt.

Das Stiftshaus

1935


Stiftshaus Gladbeck auf einer Luftaufnahme des Jahres 1961

Der Zimmermeister Wilhelm Bräscher erwirbt im Juli von der Stadt Gladbeck zu einem Preis von 40 Reichsmark je Rute auf der Nordseite der Ulmenstraße neben dem Grundstück von Dröghoff einen Bauplatz mit einer Frontbreite von 16 Metern und errichtet ab August innerhalb von nur vier Monaten ein Einfamilienhaus im sogenannten Kaffeemühlenhausstil. Der Grundriß hat die quadratischen Idealmaße von 10 mal 10 Metern, die beiden Vollgeschosse sind massiv aus Ziegelsteinen errichtet, mit einem Sockel aus Bruchsteinen verblendet und einem Krüppelwalmdach bedeckt. Zur Straßenseite wird die Gebäudeansicht durch einen Standerker (Auslucht) aufgelockert, an der Ostseite schützt ein gemauerter und überdachter Windfang den Haupteingang.

1936

Wilhelm Bräscher bezieht mit seiner Ehefrau Philippine und seinen Kindern Wilhelm jun., Mathilde und Maria das neue Wohnhaus.

Auf der Westseite des Wohnhauses beginnt der Anbau einer Garage, die im Gebrauchsabnahmeschein vom 26. April 1937 kurioserweise als „Kraftwagenhalle“ bezeichnet wird.

1937

Das neue Domizil der Bräscher fungiert auch als Firmensitz. Wilhelm Bräscher inseriert als Zimmergeschäft und Holzlager, als Bau- und Möbelschreinerei und wirbt konkret für „Imprägnierungen sämtl. Hölzer gegen Brand und Fäulnis“.

1938

Am 30. August stirbt Wilhelm Bräscher im Alter von 57 Jahren. Er hinterläßt seine Ehefrau Philippine (geb. Weiler) sowie seine Kinder Wilhelm, Mathilde und die minderjährige Maria.

1941

Am 17. September heiratet der Zimmerer Wilhelm Bräscher jun. die 24jährige Catharina Becker, Tochter des Schornsteinfegermeisters Clemens Becker, aus der gegenüberliegenden Ulmenstraße 26.

Im September geht das Grundstück Ulmenstraße 13 in den Besitz des Monteurs Bernhard Holker aus der Bismarckstraße 85 (heute Friedenstraße) über.

Der II. Weltkrieg fordert seine Opfer: Nur drei Monate nach seiner Hochzeit stirbt am 26. Dezember Wilhelm Bräscher jun. im Rang eines Feldwebels in einem Reservelazarett in Rothenburg an der Neiße. Er wird nach Gladbeck übergeführt und am 3. Januar 1942 auf dem Friedhof in Mitte beigesetzt.

1943

Im März stirbt Philippine, die Witwe von Wilhelm Bräscher sen., im Alter von 50 Jahren. Sie hinterläßt Ihre Töchter Mathilde und die noch immer minderjährige Maria. Mathilde heiratet später den Büroangestellten Werner Phillips, Maria den Schneidergesellen Heinrich Peters.

nach 1945

Bedingt durch die große Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg wohnen zeitweilig gleich drei Familien im Haus: Mathilde und Bernhard Holker mit ihren Kindern, außerdem Elisabeth und Werner Dumentat sowie Mathilde (geb. Bräscher) und Werner Philipps mit Kindern.
Um einer so dichtgedrängten Situation zu entsprechen, werden immer wieder Um-, An- und Einbauten vorgenommen, die dann allerdings den ursprünglichen Charakter des Hauses wesentlich beeinträchtigen: Zwischenwände im Erd- und Obergeschoß, Durchbrüche und das Zumauern von Türen sowie Anbauten an den hinteren Teil der Garage und der Terasse. In nicht unerheblichem Umfang entstehen dadurch auf lange Sicht Probleme mit der Wasserhaltung, so daß ganze Wandteile dauerhaft durchnäßt werden.

1958

Immer noch wohnen drei Familien im Haus. Spätestens ab diesem Jahr betreibt der Malermeister Oskar Holker in der Ulmenstraße 13 auch seinen Malerbetrieb.

1972

Im Dezember wird das Gebäude in den Besitz des Malermeisters Oskar Holker und seiner Ehefrau Irmgard (geb. Becker) übertragen.

1988

Im Oktober wechselt das Haus erneut die Besitzer, und die neuen Eigentümer nehmen in den Folgejahren manche Instandsetzungen, aber auch weitere Um-, An- und Einbauten vor.

2009

Im März erwirbt Pfarrer Brachthäuser das Gebäude und unterzieht es innerhalb von anderthalb Jahren einer umfassenden Renovierung. Dabei werden beispielsweise wesensfremde Ein- und Anbauten entfernt, die ursprüngliche weite und offene Raumstruktur wiederhergestellt, das Dach neu eingedeckt und erstmals wärmegedämmt sowie die originalen Dielenböden freigelegt und restauriert. Vieles davon geschieht in Eigenleistung mit der Unterstützung durch zahlreiche tatkräftige und vor allem fachlich kompetente Helfer.

2010

Seit November dient das Stifthaus Gladbeck als Ort unterschiedlichster kultureller Veranstaltungen sowie als Sitz mehrerer gemeinnütziger Stiftungen.

2013

Im November findet erstmals eine „Hausmusik in Butendorf“ statt.

2014

Am Tag des offenen Denkmals, dem 14. September, präsentiert eine Ausstellung das letzte erhaltene und kurz zuvor restaurierte Kirchenfenster der Heilig Kreuz-Kirche aus dem Jahr 1952 von Franz Woort-Kerkhoff sowie die Originalentwürfe der ersten fünf farbigen Fenster der Heilig Kreuz-Kirche von Friedrich Stummel aus dem Jahr 1914 im Maßstab 1:10 und die dazugehörenden Originalkartons im Maßstab 1:1.

2015

Im November erlebt die „Hausmusik in Butendorf“ ihre Fortsetzung und wird zu einer regelmäßigen Einrichtung für das kulturelle Leben in Gladbeck.

2016

In diesem Jahr werden im Rahmen der „Hausmusik in Butendorf“ insgesamt drei Konzerte angeboten, darunter im August erstmals ein Gartenkonzert.


Wappen Pfarrer Brachthäuser-Stiftung